Körperkult – Ode an einen Sommertag

Öfter mal was Neues, will ich meinen. Sehr spontan und konzeptlos aber das ist ja nicht immer schlecht. Viel Vergnügen!

Körperkult

Ode an einen Badetag

***

Es ist noch gar nicht lange her

Als es mir an den heißen Tagen

Dieses Sommers fiel sehr schwer

Die Hitze länger zu ertragen

Ich fühlte, was mir sehr missfiel,

Dass, keuchend, schwitzend ganz und gar

Ganz ähnlich wie mein Eis am Stiel

Ich langsam am zerfließen war

Mit letzter Not ereilte mich

Als ich schon nah dem Kollaps war

Der Rettende Gedankenblitz

And den Badesee zu fahr’n

Es kostete viel Kraft zu sammeln

Meine nöt’gen Badesachen

Zudem die Tür auch zu verrammeln

Und mich auf den Weg zu machen

Während ich zum See nun wankte

Und so manch’ Fata Morgana sah

Kam mir plötzlich der Gedanke,

Dass wohl auch Andre wären da!

Ich dachte schon an das Gedränge

An die Enge und an’s Geschrei

In dieser wabernden Menschenmenge

Dort könnt ich wohl kaum glücklich sein

So kam es, dass ich spontaner Weise

Entgegen meiner Sonst’gen Art

Eine viel versprechende Reise

Auf des Sees and’re Seite tat

Zunächst war’s dort tatsächlich leer

Ich erfrischte mich im kühlen Nass

Ach, ich freute mich gar sehr

Und genoss ganz allein’ den Spaß

Als ich später dann gedachte

Mich zum Schlafe hinzulegen

Sah ich kurz, als ich noch wachte

Ein paar Leute näher treten

Mir war so wohl, dass es nicht störte

Was die Menschen dort nun taten

Wenngleich ich sie auch hörte

Lautstark in dem Seelein baden

Nach kurzer Zeit in süßem Traum

Erwachte ich herrlich entspannt

Ich öffnete die Augen kaum

Oh, was mir da in Selb’ges sprang!

Hier ein Paar Brüste, dort ein Penis

So mach primäres Geschlechtsorgan

Der blanken Hintern auch nicht wenig

Dass ich mir noch wie im Traum vorkam

Ich konnte mir sogleich erklären

Dass dies also ein Nacktstrand war

Den Leuten konnt’ ich’s nicht verwehren

Dass sie waren nackt und bar

Meiner Bekleidetheit bewusst

Kam ich mir ganz nackend vor

Ich schwöre, dass ich nichts gewusst!

Ich Spanner, Lüstling, Dummkopf, Tor!?

Nachdem der erste Zwang verwunden

Mich meiner Hose zu entled’gen

Sah ich beschämt an mir nach unten

So wollt ich denen nicht begegnen

Die Weihnachtszeit war lange her

Doch heilt die Zeit nicht alle Wunden

Besonders wenn wiegen sie so schwer

Hab mich auch nicht arg geschunden

Mein Selbstbewusstsein geknickt

Wollt ich zu den Nackten zu schielen

Als mein Auge dann erblickt

Ein besond’res Klischee in den Vielen

Inmitten dieser nackten Menge

stand ein wahrer Muskelberg

Der – obgleich schon nackt – ohnehin jede Hose sprengte

War sicher nicht nur Gottes Werk

Mich verstörte dieses starke Bild

Das ich so noch nicht gekannt

Und Gedanken rasend, wild

Überschwemmten meinen Verstand:

Der Typ entspricht so ziemlich dem,

was einem diese ganzen

Männer-Lifestyle Magazine

immer als „definierten Körper“

verkaufen wollen

der Kerl ist definiert

er ist mehr als

definiert

er ist

über-definiert

super-definiert

quasi

die Definition von

definiert

definitiv

jede Muskelfaser ist

zu erkennen

als hätte er

statt

einer menschlichen Haut

eine gleichfarbene

Plastiktüte

mit Unterdruck

auf seine

Muskeln

gezogen

ich bin hypnotisiert

beobachte

dieses fließende

Wechselspiel

von sich

anspannenden und

entspannenden Muskeln

von den Rillen dazwischen

die auf der Haut

auf der Plastikfolie

umherwandern

als hätten sie

ganz Rille

nichts besseres zu tun

ich schwitze

diese Hitze

ein Waschbrettbauch

aber mehr noch

all diese Rillen

scheinen ihm

Waschbrettschultern

Waschbretthandinnenflächen

eine Waschbrettstirn

wie mein Opa sie hat

zu verleihen

Wie von Körperwelten entflohen

einen Anatomielehrbuch

mit Sonderanhang

übertriebene Proportionen

entsprungen

tänzelt diese

Adonis und Herkules spottende

Figur

vor meinen Augen

umher

glänzend vor Sonnenöl

oder ist es Melkfett?

jede Ader kann man erkennen

sie scheinen das an

reliefartiger Erhabenheit

wettmachen zu wollen

was die

Rillen

vermissen lassen

wie eine peristaltische Welle

kann man

das

Blut

Bei

Jedem

Herzschlag

förmlich durch die feinen Äderchen laufen sehen

die Äderchen auf arm Hand Brust Hals Stirn und Augenwinkel

Das Colgatelächeln wirkt angestrengt

das Genital ist verschrumpelt und ledrig weil der Körper alles Blut braucht um die Muskeln mit Sauerstoff und Nahrung zu versorgen

die glattrasierten Hoden verschwinden aufgrund des anzunehmenden übertriebenen Hormonmissbrauchs beinahe wieder im Unterleib

diese wabernde pulsierende Masse aus Muskeln

dieses nussbraune Solarium geschädigte Krebszellenrekrutierungslager

Das sieht doch einfach scheiße aus!

Mit einem Schlag war ich zurück

Von dem Wahnsinn wie erschlagen

Doch wähnte mich nun in dem Glück

Mein Ego grad bestärkt zu haben

Ich schmunzelte und lachte leise

Ein weiteres mal die Augen schließend

Um dann, wie es manchmal meine Weise

Einfach mich selbst und den Tag zu genießen

flawless!?

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