Lesenswert: Noam Chomsky – Media Control

Ahh, wieder einmal ist es Zeit, euch, meine lieben Leser, auf ein meiner Meinung nach sehr gutes Buch hinzuweisen. Media Control von unser aller Freund Noam Chomsky. Vor 4 Jahren gekauft, stand dieses Büchlein seither ungelesen in meinem Bücherregal (passiert, wenn man sich immer mehrere Bücher auf einmal kauft) und fiel mir erst letzte Woche wieder auf, da ich mit dem Gedanken hantierte nach der Lektüre von allzuviel Bewusstseins-Lieratur mir zur Abwechslung einmal wieder ein politisches Buch zu Gemüte zu führen. Und sie da, der jute Noam kommt umme Ecke, schleicht sich in mein Blickfeld und protestiert lautstark in Hellblau gegen seine weiterhin andauernde Ungelesenheit.
Media Control behandelt im Allgemeinen die Art und Weise, wie die Medien die Bevölkerung durch gezielte Desinformation „zum Konsens bringen“ zu versuchen und die wirtschafltichen und politischen Hintergründe dazu. Zwar bezieht sich das Buch in erster Linie auf die Medienlandschaft der USA, in denen verglichen mit Deutschland noch einmal ganz andere Dimensionen medialer Manipulation zu existieren scheinen (die BILD einmal ausgenommen), aber dennoch erhält man beim Lesen des Buches einen klaren Eindruck davon, welche Methoden angewendet werden, um der Gesellschaft ein falsches Ideal-Bild von sich selbst einzuhämmern. Dies geschiet, so Chomsky, alles im Interesse eines Wirtschafts-Politik Konglomerats. Die Bevölkerung lebt in einer Scheindemokratie, die nach und nach beinahe aller Demokratischen Inhalten entleert wurde und somit in einen quasi-totalitären Zustand übergeht. Politische Führer (als Beispiel seien Reagan und Bush junior zu nennen) sind nur noch ein leeres Symbol, die eigentlichen Machtstrukturen liegen versteckt dahinter. Somit hat der Wähler nur die Möglichkeit, eine Galeonsfigur zu wählen, statt, wie es in einer Demokratie eigentlich sein sollte, über ein politisches Programm zu entscheiden.
Damit das geschehen kann ist es notwendig, der „dummen Masse, die unter der Möglichkeit zur Mitbestimmung und mit Eigenverantwortung der Allgemeinheit (=Oberschicht) schaden würde“, ein Bild einzutrichtern über das, was richtig und was flasch ist, natürlich im Sinne derer die davon profitieren, also Wirtschaftsgiganten und Politiker. Hier kommen die Medien ins Spiel, die, selbst finanziert von großen Firmen und mit selbstverständlich selbst wohlhabenden Personen an den entscheidenden Stellen (Manager, Chefredakteure etc.) selbst ein Interesse daran haben, dass die Bevölkerung entsprechend denkt. So kommt es, dass eigene (Angriffs-)Kriege und mitfinanzierter und geförderter Terrorismus, Verhandlungsblockierung im nahen Osten und Dergleichen als „gerecht und notwendig für die Demokratisierung der Welt“ dargestellt, während Aggressionen gegen die eigenen Interessen als Terrorismus deklariert werden. Begrenzte Diskussion und Kritik sind dabei erwünscht um den Zuschauern ein falsches Bild von Meinungs- und Pressefreiheit zu vermitteln, doch wer gewisse Grenzen überschreitet oder tatsächlich investigativen Journalismus betreibt, wird als antiamerikanisch und radikal abgestempelt. Und wer möchte das schon, denn was das Fernsehn sagt ist immerhin Gesetz. Die Flagge gehisst und den platten Nationalismus und Patriotismus („support our troups“) als Speerspitze ins Feld geführt, vestummt so mancher frei Denkender und sich frei Äußernder. Das hat schon immer funktioniert, in Nazi-Deuschland wie in den USA von damals bis heute.
Nund denn, von Chomskys Theorien auf dem Bereich der Linguistik mag man halten was man will (ich kann mich um ehrlich zu sein nicht einmal festlegen ob ich ihm zustimmen soll oder nicht… Hund, elender), aber seine Herangehensweise an politische Themen ermöglicht es sogar einem Polit-Laien wie mir die doch oft sehr umfassenden Sachverhalte klar nachzuvollziehen. Das Buch hilft einem dabei, nicht nur die obenen erwähnten Sachverhalte (und noch einige weitere) zu erkennen und zu verstehen, sondern schärft auch ganz allgemein den Blick für Vorgänge im medialen Breich, auch hier in Deutschland, wie auch für politische Hintergründe. Chomskys Schreibstil ist klar und immer geprägt von einem angenehm ironischem, beinahe-pessimistischen Humor, der das Ganze diskret auflockert, ohne die Sache an sich zu verklären.
Wer Interesse daran hat, mithilfe von angenhemer und intelligenter Lektüre einmal über den Tellerrand hinauszuschauen und die allgegenwärtige multimediale Gehirnwäsche zumindest zu einem Teil als solche entlarven und somit umgehen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Im Übrigen ist auch der (dünne) Interviewband „Power and Terror“ mit Noam zum Teil in dieser Thematik angesiedelt. Prädikat: Lesenswert!
Viel Vergnügen und vertraut Niemandem : )
flawless!?
Mai 24, 2008 um 23:55
Danke für den Buchtipp.
Juni 27, 2008 um 23:55
Da ich mich zur Zeit mit dem Thema Medien befasse,
und mir auf diesem Wege schon allerlei Unrat begegnet ist,
kommt dieses Buch wie gerufen.