Televisueller Durchfall – Nachschlag zu Galileo

Auch auf die Gefahr hin dem geneigten Leser zu wenig Abwechslung bezüglich meiner Themenwahl zu bieten aber… nee… echt… ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll! Mein Nacken schmerzt vom vielen Kopfschütteln und mein Zwerchfell krampft vor lachbedingter Überanstrengung.

Ich. Zuhause. Ich genieße die Freuden elektromedialer Omnipräsenz um mich herum (siehe dazu den vorangegangenen Artikel) und lasse meinen Cd-Player, meinen Pc und meinen Fernseher gleichzeitig auf mich eindreschen, um mal bildlich zu sprechen. Was sehe ich da, als ich gelangweilt von der grandiosen Sendung „Sechserpack“ zum noch grandioseren „Deutschen Comedy Preis“ schalten will? Richtig! Galileo Mystery!

Ich habe zwar bereits ausführlich darüber referiert und diesem Geschwür auf dem ohnehin nicht ganz makelosen Gesicht der Fernsehlandschaft eigentlich schon mehr Aufmerksamkeit gewidmet als gesund wäre… aber irgendwie schafft mich diese Sendung… wieder und wieder.

Thema heute: Flüche – Welche Macht haben sie wirklich?

Mal ganz im Ernst: Wenn man auch sonst Themen hat, bei denen sisch jeder mit ein bißschen Grütze im Jehirn fracht, watt dat denn jetzt soll (Sorry, Ich hab grade Gaby Köster beim Comedy Preis reden gehört… ) – seien es die Illuminaten und die Nazis, Jesus und die Nazis, legendäre Samurai und die Nazis oder sonstwer und die Nazis – muss doch irgendwann mal ein Punkt erreicht sein, an dem auch der Verstand eines Galileo-Redakteurs rebelliert. Ohne Etwas beschönigen zu wollen, aber allein vom Konzept der Sendung kann ich Verschwörungstheorien und derlei Unsinn durchaus potential zurechnen – Aber Flüche?

Zugegeben, ich habe nur einen kurzen Ausschnitt gesehen, der mich dann auch gleich vor den Monitor getrieben hat (Pc lief ja ohnehin schon…ähem ähem), aber der hat meinen Bedarf an Informationsmüll für heute gedeckt… und ich bin ein Kind der 90er, da will das was heißen!

Aiman Abdallah, unser Wissenschaftler für alles, stellte sich die Frage, ob Flüche tatsächlich eine Wirkung auf unser Leben haben. Als Beispiel nennt er ein kleines Restaurant irgendwo in den Bergen, in welchem seit dem unglücklichen Sturz eines Gastes vor vielen Jahren unheimliche Dinge geschehen. Der Gedanke liegt nahe, dass eben diese Dinge durch einen eben solchen Fluch bedingt werden, welcher widerrum von der leideneden Seele eben dieses Gastes… was weiß ich, provoziert wird. Doch entspricht dies der Wahrheit? Oder ist alles nur Einbildung? Wie in der Wissenschaft üblich muss ein Feldversuch her. Man kann ja heute viele tolle Dinge durch dufte Experimente beweisen.

Und jetzt kommt’s: Der Erzähler (noch nie war diese Bezeichnung treffender) erklärt den Plan. Wir wagen ein Experiment, wie es noch nie zuvor gewagt wurde (klar, wer ist auch sonst noch so blöde?) und suchen Jemanden, der LIVE!, ich wiederhole, LIVE! einen Fluch VOR DEN KAMERAS DES GALILEO MYSTERY TEAMS AUSPRICHT!

Boah, was war ich platt! Doch es ging weiter.

Denn scheinbar hatte das Galileo Mystery Team „Schwierigkeiten“ (wohlgemerkt nur eine hohle Formulierung, die rein dramaturgische Zwecke erfüllen soll), eine Person zu finden, die sich traut einen derartigen Fluch LIVE! auszusprechen. Ich hätts gemacht, ganz ehrlich.

Schließlich wird doch noch ein wagemutiger Schamane aus dem asiatischen Hinterland/dem Register der verfügbaren Schauspieler gezogen, der sich traut eine Verwünschung auszustoßen. Supi, dann kann’s ja losgehn. Also, was steht an? Ein wenig Tod und Verderben? Verkehrsunfälle, tödliche Krankheiten oder eine lebenslange Pechsträhne? nee, wär ja langweilig. Weeßte watt? Wir verfluchn Pfeile!

Wer jetzt ins Stocken gerät, dem sei gesagt, dass mein Verstand auch ein wenig ins Stolpern kam als mir der Versuchsaufbau beschrieben wurde. Die Idee war es, ein paar ganz tolle Bogenschützen, also ehemalige und aktuelle Wald- äh Weltmeister, mit normalen und verfluhuuuuchten Pfeilen auf Zielscheiben schießen zu lassen. Wenn die verfluchten Pfeile nicht treffen, die Normalen aber schon ist bewiesen (!?), dass Flüche wirken. So weit so gut.

Ich war gespannt wie ein Flitzebogen (herrlich, wie das jetzt wieder passt), wie denn so eine Verwünschung aussieht. Wurde aber gnadenlos enttäuscht. Ein bisschen Tamtam, stimmiges Licht und ein alter Schamane, der ein wenig Kreidestaub auf den Pfeilen rumpustet. Tut mir leid, aber das kenn ich in der ein oder anderen Form so auch vom Zivildienst.

Der Versuch startet mit dem Schuss eines Weltmeisters mit einem normalen Pfeil. Treffer! Es folgt ein anderer professioneller Bogenschütze, der diesesmal jedoch mit einem vefluchten Pfeil schießen soll. Trommelwirbel…… Daneben! Zitat Erzähler: „Höchst ungewöhnlich…“ (Aiman schaut nachdenklich in die Runde).

Hier war dann der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr konnte. Das war verdammt nochmal besser als „das Geständnis“ und „Die Abschlussklasse“ zusammen! Eine herrliche Kombination aus schlechter Idee, zuviel Geld, zuviel Zeit, zu wenig Gehirn, schlechten Autoren, noch schlechteren Schauspielern und als Sahnehäubchen dieser trockene Kommentar des Sprechers und das Gesicht von Aiman, der aussieht als wäre die Wachsfigur von George Clooney bei Madame Tussaud’s geschmolzen. Alles Opferz, wie man derzeit in Berlin sagt.

Damit bin ich auch schon mit diesem Artikel und den Nerven am Ende, den Rest habe ich nur bruchstückhaft aus meinem Zimmer schallen hören. Aber ich bin mir sicher ein Paar Fetzen verstanden zu haben, wie „… den Nazis den Sieg bringen sollte“ und „konnte nicht eindeutig bewisen werden“. Und das ist ja immer das schöne an Galileo Mystery: Der Zuschauer weiß so viel bzw. wenig wie vor der Sendung. Wenn ein wenig von dessen Verstand noch nicht von der Sendung gebraten wurde, ärgert er sich über die verlorene Zeit oder freut sich über diese unglaublich geradlinige Comedy. Wenn er jedoch zur Zielgruppe gehört, freut er sich einfach wie Bolle, dass Flüche ihm höchstwahrscheinlich nichts anhaben können, vielmehr aber noch darüber, dass dieser kleine Kitzel des Ungewissen bleibt, denn die Frage konnte ja „nicht eindeutig geklärt werden“.

Witziger als Sechserpack und Comedy-Prei ist das noch allemal. Danke.

PS: Ich muss mich für diesen Sermon entschuldigen, dieser Wortschwall war wirklich eine spontane Reaktion auf das was ich das gesehen habe. Man möge es mir nachsehen, dass dieser „Artikel“ jeglicher Struktur entbehrt. Vielleicht ist er ja dennoch ein wenig unterhaltsam.

flawless!?

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